Konflikte deeskalieren

Gute Kommunikation ist manchmal ziemlich herausfordernd. Schließlich birgt nahezu jedes Gespräch das Potenzial für Missverständnisse und Konflikte. Die meisten Menschen gehen nicht in ein Gespräch mit der Absicht, sich zu streiten. Im Gegenteil. Häufig möchten sie lediglich etwas ansprechen, etwas, das sie schon länger beschäftigt. Eine Bemerkung, die verletzt hat, eine Verhaltensweise, die sie geärgert hat oder eine Situation, die sie einfach besser verstehen möchten.

Umso frustrierender ist es, wenn sie sich nur wenige Minuten später plötzlich in einer hitzigen Diskussion wiederfinden und sich fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Stell dir zum Beispiel einmal vor, du bist mit einer Freundin, deinem Partner oder einem Kollegen verabredet.

Die vereinbarte Uhrzeit ist längst vorbei. Du wartest bereits seit zwanzig Minuten und weißt nicht, was los ist. Eine Nachricht hast du nicht erhalten und auch auf deine Nachfrage kommt keine Antwort. Mit jeder weiteren Minute wächst der Ärger ein wenig mehr. Am Anfang denkst du vielleicht noch: „Wahrscheinlich ist etwas dazwischengekommen.“ Doch je länger du wartest, desto mehr Ärger staut sich in dir an und du beginnst zu interpretieren. „So schwer kann eine kurze Nachricht doch nicht sein.“ „Offenbar bin ich nicht besonders wichtig.“ „Typisch. Jedes Mal ist es das Gleiche mit ihm oder ihr.

Als die Person schließlich auftaucht oder sich meldet, geht es für dich längst nicht mehr nur um die verspätete Verabredung. Je nachdem, welche Erfahrungen du in der Vergangenheit gemacht hast, kann eine solche Situation auch alte Enttäuschungen berühren oder Gedanken aktivieren, nicht wichtig genug zu sein, nicht gesehen zu werden oder mit den eigenen Bedürfnissen keinen Platz zu haben. Die eigentliche Verspätung rückt dadurch zunehmend in den Hintergrund.

Kein Wunder also, dass in solchen Momenten häufig nicht mehr das ausgesprochen wird, was ursprünglich dahintersteht – nämlich die Enttäuschung, die Sorge oder der Wunsch, ernst genommen zu werden. Nicht selten äußert sich das dann in Vorwürfen oder Verallgemeinerungen.

Aus einem: „Ich habe mir Sorgen gemacht und hätte mir eine kurze Nachricht gewünscht.“ fällt dann vielleicht eher ein Satz wie: „Auf dich kann man sich echt nicht verlassen.“ Oder: „Dir scheint es ja völlig egal zu sein, ob andere warten.

Reagiert dein Gegenüber darauf ebenfalls verletzt oder gereizt, entwickelt sich schnell ein Gespräch, in dem beide Seiten zunehmend versuchen, sich zu erklären, verstanden zu werden oder zu erklären, weshalb die eigene Sichtweise berechtigt ist.

Bevor die Situation nun ganz kippt und sich die Fronten zu sehr verhärten, kannst du beginnen, das Gespräch wieder bewusst zu führen. Dabei können Ich-Botschaften helfen, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche verständlicher und weniger vorwurfsvoll auszudrücken. Wie das genau gelingt, habe ich bereits in einem anderen Beitrag beschrieben.

Schauen wir uns nun mögliche Antworten an: „Ich habe mich eigentlich total auf unser Treffen gefreut und jetzt streiten wir darüber, dass du zu spät gekommen bist und ich mir einfach gewünscht hätte, kurz Bescheid zu bekommen. Lass uns doch für das nächste Mal vereinbaren, dass wir uns bei Verspätungen rechtzeitig informieren und jetzt erst einmal die Zeit miteinander genießen.

Oder: „Eigentlich geht es mir gar nicht darum, dir Vorwürfe zu machen. Ich wollte dir nur sagen, weshalb mich die Situation beschäftigt hat. Mir war wichtig, das anzusprechen, damit wir beide den Nachmittag jetzt entspannt miteinander verbringen können.

Oder: „Ich will dir gar keine Vorwürfe zu machen. Ich wollte dir nur sagen, dass ich mir Sorgen gemacht habe und mir eine kurze Info gewünscht hätte. Jetzt bist du hier und ich will die Zeit lieber mit dir genießen, als den ganzen Nachmittag darüber zu diskutieren.

Manchmal reichen schon kleine sprachliche Anpassungen aus, um die Gesprächsdynamik wieder zum Positiven zu wenden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Deeskalation darin besteht, alles hinzunehmen oder klein beizugeben. Vielmehr geht es darum, einen Konflikt nicht weiter anzuheizen und den Blick wieder auf das zu richten, was ursprünglich wichtig war.

Auch wenn sich der Konflikt nicht sofort lösen lässt, entsteht häufig mehr Verständnis, wenn beide Seiten wieder beginnen zuzuhören, anstatt nur noch darum zu ringen, mit der eigenen Sichtweise Recht zu behalten.

Falls du Lust auf weitere Gedanken, Impulse oder kleine Perspektivwechsel hast, schau dich gerne auch in meinem Blog um.

Sonnige Grüße deine Annie