Wie Ich-Botschaften die Gesprächsdynamik positiv beeinflussen können!

Wer kennt das nicht? Eben mal schnell etwas gesagt und schon herrscht ein Missverständnis. Dabei entstehen Missverständnisse nicht immer durch das eigentliche Problem, sondern vielmehr durch die Art, wie wir miteinander kommunizieren. Tonfall, Körpersprache, eigene Erfahrungen und unterschiedliche Kommunikationsmuster beeinflussen ein Gespräch stärker, als uns bewusst ist.

Hinzu kommt, dass Menschen dieselbe Situation häufig unterschiedlich wahrnehmen und ihre Gefühle, Bedürfnisse oder Erwartungen auf ganz verschiedene Weise ausdrücken. Gerade Männer und Frauen kommunizieren dabei oft unterschiedlich – worauf ich in einem anderen Beitrag noch genauer eingehe.

Besonders in emotionalen Situationen reagieren viele Menschen schnell mit Vorwürfen oder Verallgemeinerungen wie: „Du hörst mir nie zu.“ oder: „Dir ist sowieso alles andere wichtiger.“

Das Problem dabei ist, dass sich unser Gegenüber durch solche Aussagen häufig angegriffen fühlt. Anstatt wirklich zuzuhören, beginnen viele Menschen sich zu verteidigen, zu rechtfertigen oder ebenfalls gereizt zu reagieren.

Hier setzen sogenannte Ich-Botschaften an, die unter anderem auch durch Marshall Rosenberg und das Konzept der gewaltfreien Kommunikation bekannt wurden.

Sie können dabei helfen, eigene Gefühle und Bedürfnisse klarer zu erkennen und auszudrücken, ohne den anderen direkt anzugreifen oder unter Druck zu setzen.

Eine Ich-Botschaft besteht – angelehnt an die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg – aus vier Bestandteilen: der Beobachtung einer Situation, dem Benennen der eigenen Gefühle, dem dahinterliegenden Bedürfnis und einer konkreten Bitte oder einem Wunsch.

Also nicht: „Ständig kritisierst du mich und suchst Streit“ sondern eher: „Mir ist aufgefallen, dass wir in letzter Zeit häufiger aneinandergeraten. Das verunsichert mich und ich merke, dass mir Wertschätzung und ein respektvoller Umgang miteinander wichtig sind. Ich wünsche mir, dass wir wieder ruhiger miteinander sprechen können.

Die Aussage beschreibt nicht, was die andere Person falsch macht, sondern was die Situation in dir auslöst. Dadurch rückt nicht die Schuldfrage in den Mittelpunkt, sondern das eigentliche Bedürfnis hinter der Aussage.

Schauen wir uns dazu einmal ein konkretes Beispiel an.

Stell dir vor, du kommst nach einem langen Arbeitstag nach Hause und möchtest deinem Partner erzählen, dass dich etwas beschäftigt.

Du sagst genervt: „Du hörst mir in letzter Zeit überhaupt nicht mehr richtig zu.“

Dein Gegenüber reagiert darauf vielleicht sofort gereizt: „Das stimmt doch überhaupt nicht.“ Oder: „Jetzt übertreibst du aber.“

Und obwohl du ursprünglich nur ausdrücken wolltest, dass dir Nähe, Aufmerksamkeit oder gemeinsame Gespräche fehlen, entsteht plötzlich eine Verteidigungshaltung und die Situation entwickelt sich schnell in Richtung Streit.

Ruhiger und klarer könnte dieselbe Situation zum Beispiel so angesprochen werden: Mir ist aufgefallen, dass wir in letzter Zeit weniger richtig miteinander sprechen und ich merke, dass mir unsere Gespräche fehlen. Oder: „In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass wir uns etwas auseinandergelebt haben und ich vermisse unsere gemeinsamen Gespräche.

Dadurch wird für die andere Person leichter nachvollziehbar, was hinter deiner Aussage steckt und warum dir das Thema wichtig ist. Oft entsteht dadurch überhaupt erst die Grundlage für ein konstruktives Gespräch. Das bedeutet natürlich nicht, dass Ich-Botschaften automatisch jeden Konflikt lösen. Dennoch helfen sie vielen Menschen dabei, Gespräche bewusster, ruhiger und verständnisvoller zu führen.

Gerade in emotionalen Situationen macht es häufig einen großen Unterschied, ob sich unser Gegenüber angegriffen oder eingeladen fühlt, wirklich zuzuhören.

Falls du Lust auf weitere Gedanken, Impulse oder kleine Perspektivwechsel hast, schau dich gerne auch in meinem Blog um.

Sonnige Grüße deine Annie