Konflikte ruhig und wertschätzend ansprechen

Konflikte offen anzusprechen und dabei ruhig und gelassen zu bleiben, kann mitunter ziemlich herausfordernd sein.
Während einige Menschen Probleme direkt und ohne große Umschweife ansprechen, fällt es anderen deutlich schwerer, ein solches Gespräch zu suchen. Selbst wenn sie verletzt oder verärgert sind und eine Situation sie schon lange beschäftigt, behalten sie ihre Gedanken oft für sich, anstatt das Gespräch zu suchen.
Wie kommunizierst du eigentlich? Sprichst du Konflikte direkt an oder findest du dich eher in der vermeidenden Rolle wieder? Falls du gerade innerlich nickst, hältst du dich vermutlich nicht zurück, weil es dir egal ist. Vielmehr befürchtest du vielleicht, dass die Situation eskalieren, unangenehm werden oder in einem Streit enden könnte.
Wie sich solche Situationen wertschätzend und ohne Vorwürfe ansprechen lassen, habe ich bereits im Beitrag über Ich-Botschaften beschrieben. Schauen wir uns nun anhand eines konkreten Beispiels an, wie das in der Praxis aussehen kann.
Stell dir vor, eine Freundin oder ein Kollege sagt dir kurzfristig immer wieder ab oder meldet sich tagelang nicht mehr, obwohl ihr eigentlich etwas vereinbart hattet.
Anstatt den Frust lange herunterzuschlucken und erst später gereizt zu reagieren mit: „Du meldest dich ja sowieso nie.“ oder: „Ist ja klar, dass du wieder absagst.“ kann es helfen, die Situation ruhiger und klarer anzusprechen.
Zum Beispiel mit Sätzen wie: „Mir ist aufgefallen, dass du unsere Verabredungen in letzter Zeit häufiger sehr spontan absagst. Ich merke, dass mich das verärgert, weil ich mich auf gemeinsame Absprachen verlassen möchte.“
Oder: „Mir ist wichtig, dass wir uns aufeinander verlassen können. Deshalb wollte ich nachfragen, ob es gerade einen Grund dafür gibt, dass unsere Verabredungen häufiger nicht zustande kommen.“
Oder: „Ich habe mich in letzter Zeit ein paar Mal auf unsere Treffen gefreut und war dann enttäuscht, als sie kurzfristig abgesagt wurden. Deshalb wollte ich das einfach einmal ansprechen, anstatt es weiter mit mir herumzutragen.“
Durch solche Formulierungen bleibt der Fokus stärker auf der eigentlichen Situation, anstatt Schuldfragen oder Vorwürfen zu viel Raum zu geben. Gleichzeitig sprichst du klar aus, was dich beschäftigt, ohne dein Gegenüber vorschnell zu bewerten oder ihm Absichten zu unterstellen.
Natürlich wird nicht jedes Gespräch sofort harmonisch verlaufen. Dennoch lohnt es sich meist, Dinge frühzeitig anzusprechen, bevor aus kleinen Irritationen größere Konflikte entstehen.


