Warum Männer und Frauen trotz derselben Worte oft aneinander vorbeireden!

Gerade zwischen Männern und Frauen kann es in der Kommunikation schnell zu Missverständnissen kommen. Doch woran liegt das eigentlich? Schließlich haben wir dieselbe Sprache gelernt, verfügen oftmals über einen ähnlichen Wortschatz und nutzen dieselben Begriffe. Wieso gelingt es uns dennoch manchmal leichter, mit dem eigenen Geschlecht zu kommunizieren als mit dem anderen? Und weshalb reden wir trotz derselben Worte immer wieder aneinander vorbei?

Natürlich ist jeder Mensch unterschiedlich und nicht jede Frau oder jeder Mann kommuniziert gleich. Dennoch lassen sich bestimmte Tendenzen beobachten, die helfen können, Missverständnisse besser zu verstehen. Ein wesentlicher Unterschied liegt oftmals weniger in den Worten selbst als vielmehr in der Funktion, die Gespräche für uns erfüllen.

Viele Frauen nutzen Gespräche, um sich mitzuteilen, Gedanken zu sortieren und Verbundenheit herzustellen. Bereits das Erzählen kann entlastend wirken, Gefühle greifbarer machen und das Bedürfnis nach Nähe und Verständnis erfüllen. Der Wunsch nach einer konkreten Lösung rückt in den Hintergrund. Wichtiger ist in diesem Moment das Gefühl, gesehen, verstanden und angenommen zu werden.

Viele Männer betrachten Gespräche dagegen eher als Möglichkeit, Informationen auszutauschen, Lösungen zu finden oder Herausforderungen zu bewältigen. Hören sie, dass eine geliebte Person leidet, entsteht deshalb schnell der Impuls, zu helfen und die Belastung möglichst zu reduzieren.

Auch wenn die Suche nach einer Lösung in diesem Moment auf die Frau mitunter etwas unsensibel wirken kann, bedeutet das nicht, dass es dem Mann an Empathie mangelt. Im Gegenteil. Er möchte unterstützen, entlasten und dazu beitragen, dass es seinem Gegenüber wieder besser geht. Schließlich würde er selbst ein belastendes Thema vermutlich eher dann ansprechen, wenn er sich eine Antwort, eine Idee oder eine konkrete Unterstützung erhofft.

Während die Frau also vielleicht denkt: „Ich möchte einfach erzählen, wie es mir gerade geht. Hör mir zu, verstehe mich und sei einfach kurz bei mir.“ hört der Mann möglicherweise: „Mir geht es schlecht. Bitte hilf mir dabei, dass es mir wieder besser geht.

Beide verfolgen somit dasselbe Ziel – Nähe und Verbundenheit. Sie wählen dafür lediglich unterschiedliche Weg

Schauen wir uns dazu einmal ein Beispiel an.

Eine Frau erzählt ihrem Partner nach einem anstrengenden Tag:

Im Moment ist mir einfach alles zu viel.

Der Mann antwortet: „Dann musst du dir halt weniger vornehmen.“ Oder: „Du darfst dir nicht immer so einen Stress machen.“

In diesem Moment ging es ihr nicht darum, eine Strategie zu entwickeln oder ein Problem zu lösen. Obwohl diese Antworten gut gemeint sind, ist die Frau enttäuscht und fühlt sich nicht gesehen. Sie wollte sich mitteilen, verstanden fühlen und die Erfahrung machen, mit ihren Gedanken und Gefühlen nicht allein zu sein.

Um der Frau zu vermitteln, dass sie gesehen wird, kann es hilfreicher sein, zunächst zuzuhören und mit Verständnis zu reagieren.

Zum Beispiel: „Das klingt gerade, als würdest du viel durchmachen.

Und dann vielleicht: „Magst du erzählen, was dich im Moment am meisten beschäftigt?

Auf diese Weise kann der Mann der Frau vermitteln, dass er ihre Gefühle wahrnimmt und ernst nimmt. Bereits das Gefühl, gesehen und verstanden zu werden, kann dazu beitragen, dass sie sich wieder sicherer, verbundener und entspannter fühlt.

Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn wir die Rollen einmal tauschen?

Ein Mann kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause. Er wirkt ruhig, zurückgezogen oder gedanklich abwesend. Seine Partnerin bemerkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Weil sie selbst in belastenden Situationen eher Nähe und Austausch sucht, versucht sie Kontakt herzustellen.

Ist alles okay bei dir?

Er antwortet: „Ja, alles gut.

Im Prinzip könnte sie die Antwort einfach so stehen lassen. Doch vermutlich reicht ihr diese nicht aus, weil sie gleichzeitig spürt, dass irgendetwas nicht stimmt.

Gerade dann, wenn es ihr selbst schwerfällt, offen über ihre Gefühle oder Gedanken zu sprechen, wünscht sie sich, dass ihr Gegenüber weiter nachfragt und ihr dadurch signalisiert: „Du darfst dich öffnen. Ich interessiere mich für dich.

Also fragt sie weiter nach: „Bist du sicher?“; „Irgendetwas ist doch.“; „Du bist heute irgendwie anders.“

Je mehr sie versucht, zu ihm durchzudringen, desto stärker fühlt er sich unter Druck gesetzt. Er braucht in diesem Moment zunächst Ruhe, um Gedanken, Stress oder Probleme für sich selbst zu ordnen.

Während sie Nähe herstellen möchte, erlebt er die Situation als zusätzliche Belastung. Er zieht sich weiter zurück. Sie wiederum versteht seinen Rückzug vielleicht als Distanz oder Ablehnung, obwohl er sich lediglich etwas Zeit nimmt, um wieder bei sich anzukommen.

Anstatt weiter nachzufragen, könnte sie beispielsweise auch sagen: „Ist gut. Komm erst einmal in Ruhe an. Melde dich dann gerne, wenn du reden magst.

Falls du Lust auf weitere Gedanken, Impulse oder kleine Perspektivwechsel hast, schau dich gerne auch in meinem Blog um.

Sonnige Grüße deine Annie