Wenn du ständig „Ja“ sagst, obwohl du „Nein“ meinst 

Ertappst du dich manchmal dabei, „Ja“ zu sagen, obwohl du eigentlich lieber „Nein“ sagen würdest?

Falls du dich gerade wiedererkennst, weißt du vermutlich auch, wie schwer sich das in manchen Situationen anfühlen kann.

Vielleicht entsteht in dir schon ein schlechtes Gefühl, sobald du daran denkst, jemanden zu enttäuschen, abzuweisen oder vor den Kopf zu stoßen.

Viele Menschen haben früh gelernt, dass Harmonie wichtig ist. Dass man hilfsbereit, verständnisvoll und rücksichtsvoll sein sollte. Das Problem dabei ist nur, dass die eigenen Grenzen mit der Zeit immer mehr verschwimmen, wenn wir sie ständig übergehen.

Der Prozess ist oft ganz schleichend. Du sagst: „Kein Problem, ich mache das eben.“ Obwohl es eigentlich sehr wohl ein Problem ist. Oder: „Ist schon okay.“ Während du innerlich längst merkst, dass es eben nicht okay ist.

Je häufiger wir unsere eigenen Bedürfnisse zurückstellen, desto größer werden oft Frust, Überforderung oder unterschwellige Gereiztheit. Nicht selten richtet sich dieser Ärger irgendwann gegen andere Menschen, die mit unserem eigentlichen Frust nichts zu tun haben. Sie sind lediglich der Auslöser und rufen Situationen in uns auf, in denen wir nicht für uns eingestanden sind und unsere Grenzen nicht klar kommuniziert haben.

Hinzu kommt, dass viele Menschen Grenzen automatisch mit Ablehnung, Härte oder Egoismus verbinden. Dabei haben gesunde Grenzen nichts mit Egoismus zu tun. Sie helfen vielmehr dabei, Beziehungen klarer, ehrlicher und langfristig entspannter zu gestalten. Schließlich können wir Grenzen nur dann respektieren, wenn wir sie überhaupt kennen.

Wenn sich allein bei dem Gedanken, „Nein“ zu sagen, in dir bereits ein schlechtes Gewissen oder die Angst davor breitmacht, nicht zu wissen, wie du es formulieren sollst, versuche dich nicht von dem schlechten Gewissen oder dem Druck leiten zu lassen, sofort eine Antwort geben zu müssen.

Gib dir etwas Zeit, wenn du dich noch unsicher fühlst. Oft hilft es bereits, erst einmal innerlich etwas Ruhe in die Situation zu bringen, bevor du reagierst.

Viele Menschen sind es nicht gewohnt, ihre Grenzen klar zu kommunizieren. Deshalb kann es hilfreich sein, sich bestimmte Antworten anfangs bewusst einzuprägen oder sogar auswendig zu lernen. Auch wenn es anfangs oft etwas künstlich wirkt, hilft es, um überhaupt erst einmal ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Vermutlich wirst du dann schon nach kurzer Zeit merken, dass du deutlich leichter, flexibler und natürlicher auf solche Situationen reagieren kannst.

Je nach Situation kann es hilfreich sein, ein paar ruhige und klare Antworten parat zu haben, wie zum Beispiel:

Wenn dich jemand spontan um einen Gefallen bittet, obwohl dein Tag ohnehin schon voll ist: „Ich schaffe das heute nicht mehr.“

Oder:

Wenn du merkst, dass dir gerade alles zu viel wird und du erst einmal Abstand brauchst: „Im Moment brauche ich etwas Zeit für mich.“

Oder:

Wenn dich jemand zu etwas überreden möchte, das sich für dich eigentlich nicht richtig anfühlt: „Ich verstehe deinen Wunsch. Dennoch passt es für mich gerade nicht.“

Klare Kommunikation muss nicht hart sein. Du kannst deine Grenzen freundlich und gleichzeitig eindeutig kommunizieren. Häufig entstehen dadurch sogar mehr Vertrauen und Sicherheit, weil beide Seiten besser einschätzen können, woran sie miteinander sind.

Falls du Lust auf weitere Gedanken, Impulse oder kleine Perspektivwechsel hast, schau dich gerne auch in meinem Blog um.